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Abenteuer 2018-19

Ja, der normale Wahnsinn hat begonnen.

Doch der Reihe nach!

Der Tag begann, wie es optimaler nicht sein konnte. Pünktlich um 8.00 verließ ich das Haus. Alle Anschlüsse klappten optimal, so dass ich schon mach 2 Stunden 15 Minuten am Flughafen war. Veranschlagt hatte ich für diese Stecke 3 – 4 Stunden. Na gut, so nutze ich die Zeit für eine Tätigkeit, zu der ich sonst nie komme: ich habe 50Seiten in wissenschaftlicher Literatur gelesen. Diesmal über Philatopologie.

Der Flieger kommt rechtzeitig, das check-in verläuft problemlos, die Handgepäckkontrolle ist chaotisch ( hatte ich aber erwartet, zum Glück diesmal keine Taschenmesser oder scheren. Stattdessen wird Sprengstoff in den Objektiven vermutet und meine Medikamente befinden sich nicht in der Plaste-Tüte). Im Flieger gehe ichmeiner Lieblingsbeschäftigung nach (schlafen). Nach der Landung herrscht Chaos an der Passkontrolle. Gut 30 Minuten muss ich anstehen. Dafür wird die Migrationskarte automatisch mit ausgedruckt und man muss sie nicht mehr mühevoll ausfüllen.

Der Flieger aus Berlin kommt eine halbe Stunde später. Eine Zollkontrolle erfolgt nicht, so dass ich die ca. 50-100 Hörgeräte unbeschadet einführen kann. Das Hallo am Ausgang ist groß, als die anderen eintreffen. Bein check-in im Hotel müssen die Pässe (alle Seiten!) kopiert werden. So dauert das einchecken für 8 Personen genau eine Stunde.

Beim anschließenden Abendessen ist die Stimmung aufgelöst. Deutsch ist die dominierende Sprache, englisch wird viel gesprochen und auch ein wenig russisch. Mascha war Austausch-Schülerin in Deutschland und ist hier Übersetzerin für hochgeistige Literatur. Alle meine Erwartungen sind eingetreten und so gehe ich den künftigen Ereignissen ruhig entgegen.  Blut ist eben doch dicker als Wasser und Verwandtschaft ist Verwandtschaft!

Und jetzt sitze ich um Mitternacht hier herum, während alle schlafen, und schreibe Berichte, was ich so gar nicht mag!!!!!!

Abenteuer 2018-19

Endlich! Endlich?

Nachdem ich meine Depressionen überwunden habe, ist nun, nach nahezu einer Woche, Ruhe eingekehrt.

Depressionen? Ja, denn ich habe jetzt 14 Monate frei! Frei! Frei!

Ruhe? Morgen geht der Flieger nach Moskau. Alle erforderlichen Arbeiten konnten in dieser Woche erledigt werden. Der Garten ist in einem passablen Zustand. Die Klassenarbeiten sind korrigiert und Zensuren sind festgelegt und abgegeben. Stundenabrechnung ist ok. Die Abschiedsfeten (es waren nur zwei!) sind absolviert. Die Freisprechungsfeier war der gewohnte Quatsch der Selbstbeweihräucherung. Wie schön, dass man als Lehrer wenigstens geduldet ist. So erfährt man, dass die Milbrod-Klassen wieder einmal weit unter dem Durchschnitt liegen. Mit 10% Durchfallquote ist das Ergebnis nur halb so groß wie der Gesamtdurchschnitt. Trotzdem gilt mein Mitgefühl Svenja, Marianna, Nardika, Matthias und Simone aus den beiden Milbrod-Klassen.!

Ja, morgen geht es los, und dann beginnt der „Urlaubs-Wahnsinn“. Die erste Etappe führt mich über zwei Wochen zu einer Rundreise durch Russland mit Verwandten. Wir treffen uns in Moskau: die Tante und der Onkel aus Kanada, die Nichte aus dem Ruhrgebiet mit Papa, der Cousin des Vaters mit seinem Sohn und Schwiegertochter und so weiter. Insgesamt .sind wir 15 Personen, die mehr oder weniger verwandt sind. Probleme erwarte ich keine, denn in unserer Verwandtschaft heißt es überall: „Zieh die Schuhe aus, Du bist zu Hause!“. Oh wie oft habe ich diesen Spruch gehört, bei wildfremden Menschen, die ich oft nicht einmal vom Hörensagen kannte. Aber Blut ist dicker als Wasser!

Der Koffer ist gepackt, 20 kg bringt er bei mir auf die Waage. Am schwersten ist der Laptop. Hoffentlich geht er kaputt, denn ich benötige dringend einen Neuen. Aber bis jetzt habe ich noch keinen Sponsor gefunden. Biete Reisebericht – suche Sponsor für ein Pad!

Fazit2017

Fazit

Nun bin ich offiziell schon 4 Tage wieder zu Hause und habe mich noch immer nicht „eingewöhnt“. Es ist einfach zu kalt. Heute Morgen als ich zur Arbeit ging waren es 9 Grad! Tagsüber sind es selten über 20 Grad, so viel hatte ich sonst in 3000 m Höhe! Man könnte verzweifeln, wenn man nicht so viel frieren würde!

Ein Fazit soll ich ziehen! Ja, vorsichtig bin ich gefahren. Manchmal habe ich mich insgeheim selbst ein „Weichei“ genannt, wenn ich bestimmte Straßen gemieden habe oder bestimmte Entfernungen für mich zu anstrengend waren. „Fahr vorsichtig“- klingt es mir in den Ohren!

Ja ich bin vorsichtig gefahren, eventuell zu vorsichtig. Aber habe ich dadurch etwas versäumt? Einige meiner Urlaubsziele konnte ich nicht „abhaken“, aber ist das alles, weshalb man hierher fährt? Ja, ich habe in Armenien kapituliert: vor der Hitze, vor den Straßenverhältnissen, eventuell auch vor dem „anders sein“. Ich bin deswegen nicht traurig. Bei einer gewissen pessimistischen Einstellung („Fahr vorsichtig“) kommt irgendwann der moralische Tiefpunkt, und der war dort! Trotzdem musste ich die restliche Zeit verbringen und konnte mir so die Lebensweise der warmen Länder an eigenen. Ist auch nicht schlecht!

Ich habe interessante Leute kennengelernt, persönliche Lebenswege die so verschieden zu den meinigen sind. Aber auf die Frage was besser ist konnten wir keine Antwort finden. Jeder muss seinen Weg gehen, und der ist mit vielen Kompromissen bestückt. Träume sind schön, aber man sollte auch realisieren, dass es Träume sind und nicht diesen unerreichbaren Zielen hinterherjagen.

Die Technik ist zuverlässig. Mehr als die 800 cm³ sind echt zu viel. Eher sollten es noch weniger sein. Und vor allen Dingen weniger Gepäck. Die beiden Seitenkoffer sind auch für eine Weltumrundung völlig ausreichend. Inzwischen gibt es alles und überall und auch Ted Simon ist wieder auf Tour, mit deutlich weniger Gepäck als sonst.

Das Klima und die Hitze habe ich unterschätzt. 3-4 Liter Flüssigkeit am Tag verhindern eine vernünftige Nahrungsaufnahme. Wobei Georgien auf Grund der Luftfeuchte klimatisch noch erträglich ist. Aber Azerbeijan und Armenien sind Mitte August schon eine Herausforderung. Die Infrastruktur in den Ländern tut ein Übriges. Viele Sehenswürdigkeiten sind nur schwer zu finden oder nicht erreichbar. Eigentlich müsste man immer einen Tag Recherche und Planung und einen Tag Besichtigung und Fahren vorsehen. Nur dann hat man ein Zeitproblem.

Mein Budget habe ich nicht voll ausgeschöpft. Obwohl ich überwiegend in guten Hotels gewohnt habe war der Trip inclusive aller Nebenkosten billiger als 6 Wochen Antalja all inclusive. Wenn man mehr auf die Kosten achten würde, könnte man nochmal gut 30 - 50 % sparen.

Natürlich ist es schön, ohne Familie so durch die Gegend zu gondeln. Natürlich möchte man verzweifeln, wenn man schlechte Nachrichten von zu Hause bekommt. Stimmungen lassen sich nicht immer mit einer Bemerkung wegwischen, können aber bis zu einer Krise anwachsen. Da wäre es einfacher ganz ohne Familie zu sein; aber das ist auch nicht schön!

Also, ein Fazit in einem Satz zu ziehen ist schwer. Alle drei Länder haben ihre Vorteile und auch Nachteile, aber dort zu leben kann ich mir nicht vorstellen. Ach die Vorstellung, auf eine große Tour zu gehen, die etwas länger als 6 Wochen dauert, ist auf dieser Reise nicht endgültig entschieden worden. Na, denn: bis zum nächsten Mal!

   

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