Facebook Like

   

Abenteuer 2018-19

Eine von den zwei Wodka-Flaschen war nicht so gut, die wir gestern getrunken haben. Kann auch sein, dass ich in der Nacht zu wenig Sauerstoff bekommen habe. Jedenfalls bin ich um 9.00 Uhr, als das  Frühstück serviert wird, nicht sehr gesprächig. Na gut, ich bin jetzt ja auf diesem Teil der Tour auch nicht der Organisator.

Gegen 10.00 hr treffen wir in Ischewsk ein. Karstens Frau stammt aus dieser Stadt. Deshalb ist dieser Teil seine Organisation. Wir werden vom Bahnhof abgeholt mit 4 Autos! Diese Stadt mit 700 000 Einwohnern macht einen trostlosen Eindruck. Paul aus Kanada sage ich die Worte „Willkommen in Russland“, dabei ist Udmurtien ein selbstständiges Land. Ein Teil unserer Leute schläft im Hotel. Ich gehöre zu den Leuten, die privat untergebracht werden.

Wir besichtigen die Hauptsehendwürdigkeit: das Kalaschnikow-Museum. Paul, der einen kanadischen Waffenschein hat, lässt es sich nicht nehmen die Schießbahn zu nutzen. Für mich kommt es nicht in Frage, weil man neben dem Pass auch die Fahrerlaubnis als Pfand abgeben muss, und die habe ich nicht dabei. Paul trifft relativ gut.

Interessant wird das armenische BBQ. Die angebrannten Auberginen, Tomaten und Paprika werden von den Frauen zu einem Salat verarbeitet. Das Fleisch geht in die Küche und wird warm gehalten. Zum Schluss wird der Tisch im Haus gedeckt, so dass sich die Fläche biegt. Es gibt keinen cm der frei ist. Natürlich müssen Trinksprüche ausgebracht werden und bei 21 Personen am Tisch ist so etwas nicht selten! Ich mache Bekanntschaft mit dem Vater von Rafael. Diese Connection werden wir im nächsten Jahr sicher gebrauchen können, denn er ist Abgeordneter im Sovjet!

Es ist wieder weit nach Mitternacht, als ich diesen Bericht schreibe. Morgen erwartet uns ein strammes Programm. Mal sehen, was ich dann zu berichten habe. Schöne Bilder habe ich heute machen können, aber um sie zu bearbeiten und in das Netz zu stellen benötige ich erfahrungsgemäß eine Stunde Zeit. Da schlafe ich lieber ein wenig!

Abenteuer 2018-19

Beim Frühstück treffe ich Siegfried. Seine Mutter ist eine Cousine meiner Eltern. Nach und nach trudeln die anderen ein. Pünktlich um 10 Uhr können wir starten. Heute Vormittag bin ich für die „Bespaßung“ verantwortlich. Dabei war abgemacht, dass alles organisiert ist! Völlig ohne Vorbereitung führe ich die Gruppe über den Arbat. Ich war schon einmal hier und kann deshalb einen Überblick geben. Das ist zwar nicht befriedigend, aber es reicht den Teilnehmern. Auch die kleine orthodoxe Kirche finden wir der junge Pope ist freundlich und sieht bewusst beim Fotografieren weg. Beim anschließenden Bier sind alle erstaunt, dass der Kellner in Ägypten geboren ist, in Russland lebt und ausser englisch noch deutsch und französisch spricht.

Danach zeige ich ihnen die Alexander-Gärten und das Mahnmal des unbekannten Soldaten. Es ist schwer, einem Kanadier zu erklären was eine Heldenstadt ist. Zu groß ist das Inferno gewesen. Mehrfach, wenn ich von den vielen Toten erzähle, fällt der Begriff „Massaker“ und er ist zutreffend. Selbst in der letzten Kriegsphase haben die Truppen nur angegriffen, wenn sie zahlenmäßig überlegen waren. Inzwischen ist es 15 Uhr Die Alexander-Gärten sind eine Enttäuschung, denn das Wasser ist für Wartungsarbeiten abgelassen worden.

Der Himmel zieht sich zu. Wir treffen uns am Gorki-Park. Die Bootsfahrt findet bei Regen statt. Trotzdem versuche ich einige Fotos zu machen. Gerne wären wir noch durch den Park bummeln gegangen, denn ich bin das erste mal in dieser Gegend, aber auf den Regen und die Kälte waren wir nicht vorbereitet. Die verbleibenden 2Stunden benutze ich mit einer kleinen Gruppe, um in das Hotel zu fahren und Jacken zu holen. Die anderen haben genug zu tun. Vitaly ist da! Durch einen DNA-Test stellte sich heraus, dass er mit uns verwandt ist. Leider kennt er seinen biologischen Vater nicht, so dass Rita aus Kanada voll in ihrem Element ist. Sie textet den armen Jungen so mit den Verwandtschaftsverhältnissen und Familienstorys zu, dass er manchmal hilflos in die Runde schaut. Besonders als Rita von den Gräueltaten der russischen Armee erzählt, ist er verwirrt. Das steht nämlich in keinem Geschichtsbuch, ist aber auch für unsere Familie bittere Wahrheit.

Ich sitze neben Ritas Bruder. Es ist eine nette angeregte Unterhaltung. Gegen 10 trudeln Torsten, Karsten und Martin ein. Wir sind komplett. Im Schlepptau sind noch die Verwandten von Ruzan, die hier in Moskau wohnen. Natürlich wollen mit einem mal alle neu angekommen privat schlafen, so dass ich 5 Plätze im Hotel umsonst bestellt habe. Die Zeit, für die Organisation der Übernachtungen, hätte ich auch sinnvoller verbringen können. Angenehm hingegen ist die Tatsache, dass wir mit dem Taxi zurück fahren. Komischerweise brauchen wir nur 500 Rubel (60 Euro) für eine Fahrt quer durch Moskau zu bezahlen. Immerhin ist es wieder einmal kurz nach Mitternacht, als ich zu Bett gehe.

Abenteuer 2018-19

Es ist schwer anzufangen. Also: Ruhetag! Ich bin privat untergebracht. Erste Station ist die Besichtigung der armenischen Kirche. Ca. 5000 Armenier leben in dieser Stadt mit 700 000 Einwohnern. Der Schwiegervater von Karsten war der Gründer der armenischen Kirche. Wir erhalten eine Führung durch den Nachfolger „Enat“. Es ist ein echtes Kulturzentrum hier entstanden. Armenier zeichnen sich hier dadurch aus, dass sie ihren Glauben verfolgen, sich in der jeweiligen Gesellschaft assimilieren und ihre eigene Sprache und Kultur pflegen.

Es geht weiter nach Woitkinsk. Das ist der Geburtsort von Tschaikowski. Für alle Deutschen: Das ist wir Goethe, Schiller und Beethoven zusammen, falls jemand die Namen kennt! Jürgen, wir müssen dort unbedingt vorbei fahren, aber keine Führung machen. Die dauert zu lange. Das erzähle ich gerne, wenn man es möchte.

Der Leiter der armenischen Gemeinde lässt es sich nicht nehmen, uns einzuladen. Es ist offensichtlich, dass er nicht jeden Tag 13 Leute zu Besuch hat. Trotzdem biegen sich die Tischplatten. Es ist ein Erlebnis, hier Gast sein zu dürfen. Auf Grund seiner Funktion sind die Toaste ein wenig nationalistisch-religiös aber außerordentlich freundlich und tolerant. Selbstverständlich darf auch ich einen Toast ausbringen. Vera ist das neue Wort, das ich auf dieser Tour lerne!

Spät am Abend werden wir nach Agris, einer kleinen Station an der Transsib gebracht.

 

Abenteuer 2018-19

Viel habe ich mit meinen Verwandten heute nicht gemacht. Aber warum soll ich mir zum 10-ten Mal den Roten Platz ansehen? Da stehe ich lieber etwas eher auf und stelle mich am Roten Platz in eine Schlange von ca. 100 Wartenden an. Es dauert noch 45 Minuten, bis das Mausoleum aufmacht. In der Zwischenzeit haben sich hinter mir weitere 200 Menschen angestellt. Es geht mir nicht um das Mausoleum, aber dies ist die einzige Möglichkeit um an die Grabstätten an der Kremelmauer heranzukommen. Aber auch hier sind nicht alle gleich. Stalin, Kossygin, Andropow u.a. haben Stelen mit Büsten. Gagarin, Heckert, Gorki u.a. haben Tafeln in der Mauer. Titov, Reed, und viele andere liegen auf einem Urnenfeld an der Kremelmauer begraben.

Obwohl ich mir sehr viel Zeit lasse, denn in den nächsten 10 Jahren werde ich hier nicht mehr herkommen, bin ich um kurz nach 11.00 Uhr schon durch. Zeit genug um meine zweite Station in Angriff zu nehmen. Und pünktlich um 12.00 Uhr bin ich am Eingang der Tretjakov-Galerie. Auch hier muss ich mich erst in die Warteschlange mit 50 anderen Besuchern einreihen. Der Eintritt von 10 Euro ist für alle gleich, wobei ich den Eindruck habe dass Ausländer inzwischen dieses Kleinod okkupiert haben. Ich verstehe nicht alle Bilder, aber die Sammlung der Repin-Bilder ist gut. Vor dem Bild „Unerwartete Heimkehr“ habe ich mit meinen Gefühlen zu kämpfen. Auch unsere Leute waren 1-2 Jahre in der Verbannung ohne ein Lebenszeichen geben zu können und kamen dann teilweise unangekündigt wieder. Das Hauptwerk (Zar Iwan erschlägt seinen Sohn) ist in Restauration, nachdem ein Anhänger des alten Zaren versucht hat es zu zerstören. Überhaupt sind die Sicherheitsvorkehrungen sehr lasch. Ungehindert kann man Bilder berühren und um das Fotografie-Verbot kümmert sich keiner der Aufsichten. Meisterwerke sind durch die Vermarktung inzwischen zu Kitsch verkommen und ein Selfie vor solchen Gemälden scheint das Muss eines jeden Besuchers zu sein. Manchmal (?) sind die Russen und Asiaten wie kleine Kinder! Kurz vor halb 6, also nach gut 5 Stunden, verlasse ich die Galerie.

Am Abend beuchen wir noch das russische Nationalensemble „Kostrjoma“. Obwohl es für viele neu ist, klappen doch die Augen zu während der Vorstellung zu . „Ozon-Vergiftung“ bezeichne ich das. Nach einem ruhigen Bier verziehe auch ich mich auf das Zimmer.

   

Visitors Counter

184488
HeuteHeute40
GesternGestern90
Diese WocheDiese Woche204
Dieser MonatDieser Monat1278
20132013184488
US
UNITED STATES
US

This page uses the IP-to-Country Database provided by WebHosting.Info (http://www.webhosting.info), available from http://ip-to-country.webhosting.info