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Es regnet und die Temperatur liegt bei ca. 10 Grad. Ja, die Mongolei ist ein kaltes Land. Jetzt, im zweiten Drittel des August, kündigt sich der Herbst an. Wir fahren die knapp 80 km in die Hauptstadt und checken im Hotel ein statt erst zu Verladestelle zu fahren um sich vorher alles genau anzusehen. Die Spedition, die unsere Papiere bearbeitet, ist nicht weit. Jürgen kümmert sich um die Dokumente und ich mich um den Bus. Die Teilnehmer müssen machen was ihnen am schwersten fällt: im Hotel warten!

Der Bus ist fertig. Die Werkstatt hat europäische Preise berechnet. Was sollten machen? Über den Preis handeln, im Nachhinein? Nicht bezahlen?

Pünktlich zur verabredeten Zeit stehen alle auf dem Parkplatz vor dem Hotel. Es klappt mal was! Das Mittagessen um 13.30 Uhr wird von einem entfernten Hotel schnell umgebucht auf unser Hotel. Danach mit den Motorrädern sofort zu Rene, der alles zum Verladen arrangiert. Viele haben nach diesen 10600 km ein wenig Wehmut in den Augen, jetzt ihr Fahrzeug abzugeben. Der Schmutz, der Fingerdick an vielen Stellen klebt, ist jetzt nur Patina. Die Kardane haben durchgehalten und die Ketten haben sich bewährt. Eine Telegabel hat es kurz vor dem Ziel erwischt. Damit könnte man noch 1000 km fahren, aber das ist nicht jedermanns Sache. Zwischenzeitlich müssen wir die Zolldokumente notariell beglaubigen lassen. Das Kisten bauen für die Motorräder entfällt glücklicherweise, trotzdem dauert die Übergabe der Motorräder an den „Kistenbauer“ den ganzen Nachmittag. Rene ist Schweizer und lebt schon seit vielen Jahren hier. Sein Camp „Oasis“ ist unter Motorradfahrern in der ganzen Welt bekannt. Er hat sich inzwischen vergrößert. Sein Hauptgeschäft ist seit 20 Jahren der Umschlag von Motorrädern. Auf dem Hof stehen ca. 20 Motorräder, die hierher geschickt wurden oder von hier aus versandfertig gemacht werden, bevor sie von den verschiedenen Speditionen abgeholt werden. Eine Gruppe Italiener hatte eine unglückliche Spedition gewählt, so dass ihre Motorräder erst am Ende ihres Urlaubs am Zielort bei Rene eintrafen. Wir treffen auch auf zwei geländegängige Wohnmobile auf LKW-Basis. Es sind Weltenbummler, die hier Station machen. Nebenbei betreibt Rene eine kleinen Pension.

Anschließend müssen wir den Ford-Bus ausladen und den VW-Bus aufräumen. Jedes Teil im VW-Bus muss aufgeführt werden. Jedes Teil das deklariert wird kostet 10 Euro an Gebühren. Nichtdeklarierte Teile verzögern zolltechnisch den Versand oder machen ihn eventuell unmöglich. Aber das erfährt man erst, wenn man wieder in Deutschland ist. So verwundert es nicht, das inmitten dieser Arbeit das Signal zum Aufbruch zum Abendessen erfolgt. Es geht in ein mongolisches BBQ-Restaurant. Es ist viel Show dabei, aber es ist gut.

Anschließend ein kurzer Besuch bei der Hotelbar. Wir verabschieden uns, denn es geht in 3 Gruppen nach Hause. Einige fliegen bereits frühmorgens, anders am Vormittag. Der Hauptteil wird am Nachmittag mit der Eisenbahn a la Jürgen weiterfahren. Für genügend Bier habe ich gesorgt. Hoffentlich ist auch Tee oder Kaffee dabei!?

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Ich habe unruhig geschlafen. Jürgen ist, wie immer, zeitig auf den Beinen. Also gehe ich duschen. Ja, die Duschen entsprechen weitestgehend dem, was wir erwarten. Frühstück ist reichlich, aber nicht so abwechslungsreich. Dann geht es auf Tour. Heute sitze ich 300 km lang im Ford-Bus vorne und döse vor mich hin. Die Weite der Landschaft ist schier unbeschreiblich. Ohne es zu merken wird diese Landschaft von Bergen gesäumt, von denen man nicht weiss ob sie 1000 oder 2000 m hoch sind. Alles ist so weit und steigt/fällt so langsam an/ab. Die Täler sind viele Kilometer weit und die Wolken hängen teilweise sehr tief.

Beim zweiten Tankstopp gibt es wider nur 92-igen Sprit. Was gestern und vor wenigen Tagen ein Problem war, ist jetzt weg: ohne Zaudern wird getankt.

Das nächste Camp befindet sich in der Nähe eines Nationalparks. Wir kommen gegen 14 Uhr an, pünktlich zum Mittagessen. Danach ist Mittagsruhe bis zum Abendbrot. Dann geht es in den Park, Wildpferde beobachten. Wir haben Glück und treffen auf eine Herde von ca. 50 Wildpferden. Diese Tiere verlassen den Nationalpark nicht, weil es nur hier im Nationalpark genügend Futter gibt. Um den Park herum gibt es eine Pufferzone, in der Pferdehaltung verboten ist. Dafür werden die Nomaden entschädigt bzw. erhalten andere Arbeit. Nur zum Sterben verlassen die Wildpferde den Nationalpark und wandern sehr weit in die Steppe.

Wir sitzen noch ein wenig zusammen und unterhalten uns. Denn morgen ist ein Tag mit vielen Fragezeichen. Genügend Stoff zum Fabulieren und Spekulieren.

 

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Der Fuchs ist schlau, so sagt man allgemein. In diesem Palazzo Prozzo treffen wir beim Frühstück nicht nur die gestrandeten Fluggäste verschiedener Airlines, deren Flieger wegen des Regens ausgefallen sind, sondern auch auf einen Reisebus Deutscher, die die Mongolei hautnah kennen lernen wollen. Das nennt sich „Lernidee“. Alle unsere Teilnehmer wollen alles von mir wissen: wann wir abfliegen, wie und wo die Motorräder verladen werden, wie die Unterbringung in den nächsten Tagen sein wird und viele ander lebenswichtige Fragen für deutsche Rentner, die einen Pauschalurlaub statt einer geführten Motorradtour gebucht haben. Endlich wird das Gepäck in den Ford-Bus geladen (120 Euro pro Tag) und ich kann mit dem VW-Bus von Jürgen in die Werkstatt fahren. Zum Glück ist noch ein Not-Platz im Ford-Bus frei, denn man ist davon ausgegangen, dass ich bei dem VW-Bus für die nächsten 3 Tage in der Stadt bleibe. 

Ich bin also Reiseteilnehmer im klimatisierten Ford-Bus zusammen mit 5 anderen Teilnehmern, die aus unterschiedlichen, teilweise nachvollziehbaren, Gründen hier mitfahren. Die Gespräche sind interessant. Wenn ich vorne die Reiseleiterin etwas frage, muss das für alle lautstark wiederholt werden, weil man sonst etwas versäumen könnte. Also lasse ich das. Ich erfahre im weiteren Verlauf, welche Regressansprüche an den Veranstalter gestellt werden, weil der Straßenzustand nicht eindeutig beschrieben wurde und nicht zu der körperlichen Konstitution des Teilnehmer passte. Das ihm diese Tour auf seinen ausdrücklichen Wunsch hin ermöglicht wurde, wird ausgeblendet. Weil an sein Fahrzeug darf nur geschulteres Fachpersonal darf, wird der Rücktransport seines Fahrzeuges in einen Spezial-Tranport-Behälter erfolgen. Akribisch, so verspricht er, wird er beim Erhalt alles auf Schäden untersuchen und die Wertminderung seines Fahrzeuges durch diese Tour dem Veranstalter in Rechnung stellen.  Aber beim Aufheben seines Motorrades nach den vielen Umfallern gestern, war es selbstverständlich dass alle mit anfassten. Bei jeder passender Gelegenheit wurde er mit Trinkwasser versorgt, was er dankbar annahm. Höhepunkt ist heute, das beim Erblicken eines Weizenfeldes in diesem klimatisch und geologisch sensiblem Gebiet, Vergleiche mit den Weizenfelder in Kanada gezogen wurden. Beim Abendbrot wusste er nicht, dass seit 30 Tagen die Bulette nicht „Fleischpflanzerl“ heisst, sondern Kotelett heißt. Bei meiner Mutter war Demenz daran erkennbar, dass Empathie fehlte, Egoismus vorherrschte und Ereignisse aus der Gegenwart nicht zur Kenntnis genommen wurden. Zu Gute halten muss man ihm, dass er die Tour durchgestanden hat.  

Nach langweiligen 200 km kommen wir irgendwann zu einem unscheinbaren Wegweiser. Es geht in ein GER-CAMP. Das sind Jurten für Touristen. In der Jurte steht ein Ofen und 2 Betten, die für 4 Personen reichen. Es gibt Strom aus einem Generator und fließendes heißes Wasser. Das ist natürlich das Nomadenleben pur! Eine Nomaden-Familie besteht ihm Sommer aus 3 Generationen und sämtlichem Hausrat. Alles findet in einer Jurte Platz. Auf dem Lande leben 1 Einwohner je Quadratkilometer. Das erleichtert Bauvorschriften. Da die durchschnittliche Lebenserwartung bei Männern bei 60 Jahren liegt, gibt es folgerichtig bei 65 Jahren Rente.  Frauen bekommen 5 Jahre eher Rente, leben aber etwas länger. So kommt es, das auf 3 Frauen ein Mann kommt. Selbst das Eintreiben der Herden wird von Frauen zu Pferde erledigt. Wenn ein Kind mit 3 Jahren noch nicht reiten kann, so ist es ernsthaft krank. Von den vielen Klischee-Vorstellungen, dass die Herden mit dem LKW vertrieben werden, muss man sich schnell verabschieden. Zu groß sind die Schäden, die dadurch verursacht werden. Ein Moped mit 50 Kubik ist da wesentlich besser, eventuell ein Toyota! Ach ja, alle Fahrzeuge fahren hier mit ROZ 92. Nur wenn sie nach Europa exportiert werden erhalten sie den Hinweis, dass sie mindestens ROZ 95 zu tanken haben. Schönen Gruß an die BMW-Motorräder! 

Im Camp gibt es Essen und etwas Ruhe. Der Asphalt zehrt doch etwas an den Teilnehmern, obwohl wir nur kurz über 20 Grad hatten. Jürgen hat viele Teilnehmer verwöhnt, als er alle Stunde eine Pause machte. Das geht bei diesen Entfernungen nicht mehr, wo alle 100-150 km ein Rast-Café kommt. Man ist in der Mongolei und schert sich nicht um Geschichte; man will seine Ruhe. Das ist die vorherrschende Meinung. Und so gehen wir mit wenigen Teilnehmern in das 400 Jahre alte Kloster, welches um die Jahrhundertwende noch über 300 Lamas, so nennt man hier die Mönche, beherbergte. Heute wird es von einer Lama-Frau betreut. Es ist für mich ausserordentlich interessant, aus berufenem Munde etwas zu erfahren. Leider ist die Zeit zu kurz und das Interesse der anderen mitgekommenen Teilnehmer nicht vorhanden, um substantiell etwas zu erfahren. Deshalb zerstreuen wir uns nach dem Abendbrot sehr schnell. Wir sind auf dem Lande, da geht man trotz der schönen Mondnacht früh schlafen, um früh aufzustehen. 

 

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Die Matratzen sind mir etwas hart. Es ist insgesamt eine Athmosphäre wie im Zeltlager. Wasser läuft spärlich, aber ist warm. Der Stromgenerator wird zwischen 22 und 6 Uhr abgeschaltet, das Frühstück ist ausreichend, die Toiletten sind sauber. Frühstück gibt es für alle im Lager um 7 Uhr und alle fahren um 8 Uhr ab. Die erste Station ist schon nach wenigen Kilometern der Ausläufer einer Düne, die zur Wüste Karakurum gehört. Auch wenn die Anfahrt durch den Suchsand beschwerlich ist, so nehmen viele den Fußweg auf sich um dieses Schauspiel zu genießen. Scheinbar vergessen ist die Situation, dass vorher ein Bachlauf durchquert werden musste.

Zweite Station ist in 80 km Entfernung die Stadt Karakorum. Vor die Wahl gestellt, entweder Benzin mit 92 Oktan zu tanken oder zu schieben, entscheiden sich viele für die erste Variante. Kein Motor ist im Verlaufe des Tages explodiert! Somit erreichen alle die alte Hauptstadt von Dshingis Khan und Kublei Khan. Wir besichtigen das Museum der Gegend und erfahren etwas über die Geschichte des Landes.  Natürlich gibt es die Hauptstadt nicht mehr, aber relativ viele Ausgrabungsplätze in der Nähe. Auch ein sehr altes Kloster gibt es hier. Viele Buddha-Figuren sind vergoldet und in einigen Tempeln stehen mehrere Figuren. Einige stellen die ehemaligen Dalei-Lamas dar. 

Das Mittagessen gegen 15 Uhr ist ein 4 Gänge Menü. Es gibt als Hauptgericht eine Art Beaf-Stroganow. Danach ist Mittagsruhe angesagt, die gerne angenommen wir. Das Internet „ruckelt“ aber ist wenigstens vorhanden. So kann man E-Mails oder WhatsApp abrufen. Vor dem Abendbrot geht es noch zu einer Nomaden-Familie. Man fährt einfach die nächste Jurte an und fragt, ob man ein wenig zusehen darf. In diesem Fall ist man gerade beim Pferde-Melken. Insgesamt hat dieser Nomade 200 Pferde und 25 Fohlen. Um an die Milch der Stuten zu kommen, müssen Fohlen und Stuten getrennt angepflockt sein. Das Fohlen wird an die Stute geführt und säugt vor. Anschließend wird gemolken. Je Vorgang kann so noch ein halber Liter Milch von der Stute gewonnen werden. Aus der Stutenmilch kann man Quark, Jourgurt oder Käse machen. Insgesamt hat diese Familie etwa 100 Stück Vieh. Darunter sind Ziegen, Schafe und Kühe. Damit ist sie ungefähr Durchschnitt. Etwa 20 % des Vieh wird zum Winter verkauft und 10-20 % geht im Winter kaputt. Das Winterlager ist nur 30 km von hier entfernt. Die Söhne sind groß, der eine ist in der Stadt zur Ausbildung und der andere hilft im Lager mit. Es ist sehr interessant. Weil die meisten Nomaden mit Geld nicht viel anfangen können lassen wir Leckerbissen da, beispielsweise Schokolade und Äpfel.

Nach dem Abendbrot gibt es Kultur. Ein Trio schaut jeden Sonnabend in diesem Camp, das eine lange Tradition hat, vorbei und bietet lokale Musik und Tanz dar. Diese 3 Euro sind kein rausgeschmissenes Geld, vor allen Dingen weil wir nur etwa 10 Zuschauer sind. Mir imponiert besonders der sehr hohe Kehlkopf-Gesang und das einer Zitter ähnliche Instrument.

Ach ja, die Geschichte: Dieses Lager diente früher dem Staatsoberhaupt für Staats-Empfänge. Die Jurte, in der sich der Speisesaal befindet, ist eine Sonderanfertigung und besonders groß. Damit die Diplomaten die Weite des Landes genießen können befindet sich dieses Lager 300 km von der Hauptstadt entfernt.

 

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Gut gelaunt gehe ich zum Frühstück. Es stört mich nicht, dass Eier, Wurst und Käse um 8 Uhr nicht mehr da sind und wahrscheinlich nicht nachgelegt werden. Es hat in der Nacht weiter geregnet. Der Feldweg ist zerfahren und aufgeweicht. Es lohnt sich nicht, alles näher zu beschreiben. Jeder der ernsthaft diese Tour gebucht hat, hat sich vorher informiert. Nur wer bisher nur Pauschalreisen mit Rundum-Betreuung absolvierte, hat auf diesen Strecken Probleme. Es muss genügen, dass wir für 270 km genau 10 Stunden benötigen. Nahezu jeder ist einmal umgefallen. Die Schäden an den Fahrzeugen sind nicht nennenswert. Natürlich gibt es auch Teilstücke mit Asphalt, ander wäre diese Stundendurchschnitt nicht zu schaffen. Teilweise geht es tatsächlich über die Wiese.

Irgendwann erreichen wir die Hauptstadt. Nahezu die Hälfte der Einwohner leben hier. Für den Rest des Landes heißt das, das ca. 1 Einwohner auf einem Quadratkilometer lebt. Weit ist das Land, sehr weit und besteht zumeist aus baumloser Steppe. Vereinzelt stehen Jurten und weiden relativ große Viehherden, überwiegend Schafe, Zeigen, Rinder und Pferde. Die Landschaft ist grün, durch den vielen Regen in diesem Jahr. In den Niederungen ist es feucht, was die Fahrbahn zu einer Sumpflandschaft macht. Manchmal sind bis zu 5 Spuren je Richtung nebeneinander vorhanden, da muss man sich rechtzeitig für den optimalen Weg entscheiden. Auf den Wegen fahren Linienbusse genauso wie Schwerlast-Transporte und viele PKW unterschiedlichen Typus. Sie sind relativ billig hier zu bekommen und so kann es, wenn auch selten, passieren, dass ein Hirte mit einem Nissan Padjero die Herden zusammentreibt.

Obwohl wir erst um 19.30 ankommen, sollen wir gleich zum Essen. Es hatte zwar nicht geregnet, aber alle sind mit Schlamm bespritzt. Die Agentur will uns was Gutes tun und lädt in ein „Bayerisches Restaurant“ ein. Auch hier ist das Hähnchenschnitzel kalt, aber gut angerichtet. 

 

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